Möbelkauf ist Sache des Vertrauens
Möbelkauf ist Sache des Vertrauens
Umgezogen? Ein Paar zieht zusammen. Die Kinder sind aus dem Haus und das Kinderzimmer wird umgewidmet. Vorhandene Möbel sind nicht mehr dem Geschmack der Besitzer entsprechend. Viele Situationen gibt es im Leben, bei denen im Ergebnis der Kauf neuer Möbel ansteht. Ein riesengroßer Markt, wenn man von 52 Millionen Haushalten in Deutschland ausgeht. Danach ist das Angebot. Schon beginnt das große Suchen. Es gibt zwar alles, aber genau das, was einem zusagt, gibt es gerade nicht. Ein ewiges Problem der Wohlstandsgesellschaft. Auch hier gibt es eine Möbelmode, werden Rohstoffe kombiniert und unermüdlich neue Formen erfunden. Geschmack ändern? Oder die Möbelindustrie verwünschen? Oder ausgefallene Möbelhäuser mit speziellem Geschmack aufsuchen. Alles ist möglich. Und schon landet man bei der Frage des Preises. Normale Möbel für normalen Geschmack gibt es schon für normales Geld. Eine Etage darunter natürlich auch, so kurz vor Second Hand und Sozialkaufhaus. Nichts dagegen zu sagen, wenn es jemand wirklich braucht. Für die bürgerliche Mittelschicht – das ist wohl in Deutschland die Mehrzahl der Einwohner – sind die eigentlichen Möbelhäuser gedacht. Das fängt natürlich mit IKEA an, das nicht nur Möbel und Accessoires verkauft, sondern gleich eine neue Lebensphilosophie vermarktet. Mit großem Erfolg. Möbel Hübner, Höffi, Roller und Kraft sind ebenso große Möbelketten mit unerschöpflichem Angebot.
Dort ist auch immer ein reichliches Angebot an Kleinigkeiten für den Wohn-, Küchen-, Schlaf- und Kinderzimmerbereich vorhanden. Teppiche, Gardinen, Kleinmöbel, Leuchten, Geräte – alles aus einer Hand. Von diversen Herstellern, in vielen Qualitäten, zu sehr unterschiedlichen Preisen. Niedrige Preise sind beispielsweise bei den Ketten Sconto, Tick und Tack “in”. Auch hier kann der Käufer gute Qualität erwerben. Einige dieser Ketten sind eine Billigsparte von Markenfirmen; so ist Sconto eine Tochter von Möbel Krieger. Nicht zu vergessen sind Spezialmöbelgeschäfte. Tisch und Stuhl, Polstermöbel, Betten, Matratzen, Designmöbel und Möbel aus Bambus oder Pappe. Für alles gibt es spezialisierte Geschäfte. Für diese sei hier das “Stilwerk” erwähnt, in dem es für den gehobenen Anspruch und den exquisiten Geschmack designte Möbel und deren Zubehör zu erlesenen Preisen gibt.
Möbeloase, Multipolster, Matratzen Concord und ähnliche Möbelketten befriedigen den Massenbedarf. Nicht zu vergessen seine die kleineren Möbelgeschäfte, oft Inhabergeführt, ein Polsterer oder Tischler gehört zum Inventar. Hier kann der Kunde nicht nur die fertigen Möbel großer Hersteller kaufen, sondern es werden auch individuelle Wünsche erfüllt. Es soll eine andere Bettrückwand sein – bitte sehr. Die vorhandenen Couchkissen sollen mit dem Stoff der neuen Polstermöbel bezogen werden – kein Problem. Zwei Betten sollen höher sein als geliefert – machen wir doch gleich. Solch ein Geschäft ist die Firma MHM in Berlin Buchholz. Nicht zu vergessen sollen die vielen, zu vielen Küchenstudios sein. An jeder Ecke ein anderes, alle verkaufen meist das Gleiche. Hier gilt leider: Man muss die Küche kaufen, wie sie ist. Die Küche passt nicht rein in den Küchenraum – Pech gehabt, da muss wohl erst der Raum umgebaut werden. Individuelle Anpassung Fehlanzeige. Nur, was die Standardmöbel zulassen. Der Rest wird dann großzügig mit Paneel-Brettern verdeckt. Möchte man das nicht, muss man sich eine Küche bauen lassen und keine Einbauküche kaufen. Und da beginnt wieder das Konto zu trauern.
Nicht unerwähnt sollte die gesellschaftspolitische Wichtigkeit von Möbeln bleiben. Man denke hier nur an den runden Tisch, der gerade in der Phase der Degeneration kommunistischer Systeme eine wesentliche politische Bestimmung hatte. Ja, ein Möbel ist auch ein Stuhl. Ein elektrischer zum Beispiel, ein angesägter, ein fehlender, ein Zahnarztstuhl. Benennungen eines Möbelstückes, aber Begriffe für etwas ganz anderes.
